
Manche Menschen lösen Probleme. Andere, wie unsere Interviewpartnerin des Monats, bringen die richtigen Menschen zusammen, damit Lösungen entstehen. Genau darin liegt für sie der Kern guter Führung.
Mitarbeitende mit unterschiedlichen Kompetenzen zu verbinden, statt jede Antwort selbst zu kennen: diese Haltung prägt die Arbeit von Eliane Aebi als Leiterin Human Resources und Co-Geschäftsleiterin der Biosystems Switzerland AG. Die bekennende Generalistin arbeitet seit 2017 in einem Umfeld, das von hoch spezialisierter Fachkompetenz geprägt ist, in dem jedoch unternehmerisches Denken ebenso gefragt ist. Schon während der Handelsmittelschule entdeckte sie ihre Begeisterung für betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Im anschliessenden Betriebsökonomiestudium faszinierte sie besonders die Breite des Fachs: Marketing, Finanzen, Personal, Strategie – nicht ein einzelnes Gebiet stand im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel unterschiedlichster Disziplinen. Schon damals entwickelte sie den Blick für Zusammenhänge, der ihren beruflichen Weg bis heute prägt.
Nach ersten Stationen im Marketing führte sie ihr Weg zur Biosystems Switzerland AG in Muttenz. Das dynamische KMU mit rund 40 Mitarbeitenden ist ein führender Schweizer Gesamtanbieter, Distributor und Servicepartner für Labortechnik. Nach ihrem Einstieg im Marketing eröffnete sich Eliane Aebi 2020 die Chance, die Leitung Human Resources zu übernehmen. Parallel vertiefte sie ihr Wissen mit einem MAS in Human Resource Management.
Heute verantwortet sie als Co-Geschäftsleiterin und Leiterin HR nicht nur die Gewinnung und Entwicklung von Talenten, sondern gestaltet auch die strategische Ausrichtung des Unternehmens mit. Von ihren Erfahrungen aus früheren Funktionen profitiert sie bis heute. Während ihrer Zeit im Marketing lernte sie beispielsweise, Zielgruppen zu verstehen, Botschaften präzise zu formulieren und konsequent aus der Perspektive des Gegenübers zu denken. «Diese Überlegung kann man sehr breit nutzen», sagt sie. Wer ist mein Gegenüber? Welche Bedürfnisse bringt diese Person mit? Fragen, die heute genauso für die Zusammenarbeit in der Geschäftsleitung gelten wie für die Führung von Mitarbeitenden oder die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden.
Die Biosystems Switzerland AG ist auf Lösungen für die Pathologie spezialisiert – eine Nische, in der Fachwissen entscheidend ist und interdisziplinäre Zusammenarbeit den Unterschied macht. Im Berufsalltag arbeitet sie mit Menschen zusammen, die ganz unterschiedliche Expertise mitbringen: Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker, Produktspezialisten mit fundiertem Laborwissen oder Verkaufspersönlichkeiten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund. «Die Spezialistinnen und Spezialisten kennen ihr Fachgebiet in einer Tiefe, die ich nicht habe», sagt sie, und ergänzt: «Aber es braucht jemanden, der die Zusammenhänge erkennt, Risiken früh wahrnimmt und die verschiedenen Disziplinen zusammenbringt.»
Vieles über gute Führung lernte sie im Studium. Wirklich verstanden habe sie Führung jedoch erst im Berufsalltag. Mit der Zeit habe sie gemerkt, dass Führung viel Fingerspitzengefühl, Vertrauen und gleichzeitig den Mut erfordere, auch Entscheidungen zu treffen, die nicht überall auf Zustimmung stossen. «Man kann es nicht allen recht machen», sagt sie offen. Gerade als Führungskraft müsse man lernen, unterschiedliche Erwartungen auszuhalten und dennoch den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben.
«Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe ist für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit.»
Eliane Aebi
Was ihr dabei hilft? Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe. Ob innerhalb der Geschäftsleitung, im Austausch mit Mitarbeitenden oder mit externen Partnern: Für Eliane Aebi entstehen die besten Entscheidungen dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenfinden und Menschen einander mit Respekt begegnen. Oder, wie sie es selbst zusammenfasst: Gemeinsam erreicht man mehr als allein.
Frau Aebi, wenn Sie in jüngeren Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten, was wäre aus Ihnen geworden?
«Lange war ich überzeugt, dass ich Primarlehrerin werde. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich ein Umfeld brauche, in dem ich mich kontinuierlich weiterentwickeln und neue Herausforderungen annehmen kann. Rückblickend sehe ich, dass mich genau dieser Wunsch in die Unternehmens- und HR-Welt geführt hat. Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, ist mir bis heute wichtig – einfach in einem anderen Umfeld. Als Führungskraft erfüllt es mich, Mitarbeitende in ihrer Entwicklung zu unterstützen. In diesem Sinne ist ein Stück meines ursprünglichen Berufswunsches geblieben.»
Wie beginnen Sie Ihren Tag am liebsten?
«Am liebsten starte ich mit dem Velo ins Büro. Die Bewegung und die frische Morgenluft helfen mir, den Kopf frei zu bekommen und mit Energie in den Tag zu starten. Generell ist die Natur für mich eine wichtige Kraftquelle. Sie gibt mir den nötigen Ausgleich zum Berufsalltag und hilft mir, den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten.»
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
«Erfolg bedeutet für mich, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Wenn Mitarbeitende ihre Stärken entdecken, Verantwortung übernehmen und motiviert zur Arbeit kommen, ist das für mich der schönste Erfolg überhaupt. Jeder Mensch bringt andere Bedürfnisse und Potenziale mit – deshalb gibt es für mich keine Führung nach Schema F. Wenn ich dazu beitragen kann, dass jemand über sich hinauswächst und wir als Team gemeinsam erfolgreich sind, empfinde ich das als echten Erfolg.»
Wofür würden Sie eine Woche gratis arbeiten?
«Ich bewundere Menschen, die sich ehrenamtlich in NGOs engagieren. Eine Woche lang würde ich gerne in einer Organisation mitarbeiten, die sich für den Schutz der Biodiversität und den Erhalt natürlicher Lebensräume einsetzt. Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Auch im eigenen Garten versuche ich, einen kleinen Beitrag zu leisten, indem ich auf eine naturnahe Gestaltung achte und Lebensräume für Pflanzen und Tiere fördere. Ich bin überzeugt, dass jede und jeder im Kleinen etwas bewirken kann.»
Was war der beste berufliche Rat, den Sie jemals bekommen haben?
«’Führe Menschen individuell – nicht alle gleich.’ Diesen Rat habe ich bereits während meines Studiums mit auf den Weg bekommen und er begleitet mich bis heute. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass gute Führung bedeutet, die Stärken, Bedürfnisse und Potenziale jedes Einzelnen zu erkennen und entsprechend zu fördern. Gleichzeitig ist Fairness im Team zentral. Fairness heisst für mich jedoch nicht, alle gleich zu behandeln, sondern nachvollziehbar und wertschätzend mit unterschiedlichen Leistungen und Situationen umzugehen. Diese Balance immer wieder neu zu finden, gehört für mich zu den spannendsten Herausforderungen einer Führungskraft.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Aebi für ihr Mitwirken an diesem Beitrag.
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