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«CEO und VR-Präsident: Eine Beziehung auf Messers Schneide.»

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Das Verhältnis zwischen CEO und Verwaltungsratspräsident zählt zu den zentralen Führungsbeziehungen eines Unternehmens. Trotz klar definierter Rollen entstehen in der Praxis regelmässig Spannungsfelder zwischen strategischer Aufsicht, operativer Verantwortung und gegenseitiger Kontrolle.

Man verkauft es gerne als Partnerschaft auf Augenhöhe. In Wahrheit ist die Beziehung zwischen CEO und Verwaltungsrats-Präsident eine der unklarsten Machtkonstellationen der Wirtschaft, und die meisten Unternehmen tun so, als sei das nicht der Fall.

Das Grundproblem ist strukturell, nicht persönlich. Der Präsident soll den CEO führen, kontrollieren und coachen, gleichzeitig aber nicht ins operative Geschäft eingreifen. Diese Trennlinie existiert auf keiner Folie klarer als in der Realität. Sobald es eng wird, ein Quartalsziel verfehlt, eine Übernahme wackelt, ein Shitstorm rollt, wird aus dem Coach ein Mitregent. Und viele ehemalige CEOs, die selbst zum Präsidenten werden, können genau das nicht lassen: loslassen.

Dazu kommt ein Informationsgefälle, das systematisch zugunsten des CEO verzerrt ist. Er sitzt auf den Zahlen, den Kunden, dem Management. Der Präsident bekommt kuratierte Wahrheiten, aufbereitet für elf Sitzungen im Jahr. Wer die Deutungshoheit über die Realität hat, hat die eigentliche Macht, unabhängig vom Organigramm.

Die unbequeme Wahrheit ist auch: viele Verwaltungsrats-Präsidenten wollen nicht wirklich Sparringpartner sein, sie wollen den CEO gewählt haben, den sie kontrollieren können. Und viele CEOs wollen keinen Präsidenten, der mitdenkt, sondern einen, der nickt und Deckung gibt. Beide Seiten reden von Vertrauen und meinen Kontrolle.

Man kann das mit besseren Prozessen abfedern, klaren Organisations-Reglementen, ehrlichen Vieraugengesprächen, einer sauberen Trennung von CEO und VRP-Funktion. Aber das Grundspannungsfeld lässt sich nicht wegregulieren. Wo zwei Personen für denselben Erfolg verantwortlich gemacht werden, aber nur einer die Absetzungsmacht hat, bleibt Misstrauen die rationale Grundhaltung, nicht die Ausnahme.

Vielleicht sollte man aufhören, Reibung zwischen CEO und Präsident als Führungsversagen zu behandeln. Sie ist der Normalfall eines Systems, das Verantwortung und Macht bewusst auseinanderreisst. Die eigentliche Frage ist nicht, wie man Konflikte vermeidet, sondern ob man ehrlich genug ist, sie offen auszutragen, statt sie hinter Hochglanzberichten zu verstecken.

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