
Die meisten guten Ideen scheitern nicht daran, dass sie schlecht sind. Sondern daran, dass sie nie den Schritt in die Realität schaffen. Genau an diesem Punkt beginnt die Geschichte von Apersys – und die von ihrem CEO und Mitgründer Waldemar Hoffmann, unserem Interviewpartner des Monats.
Waldemar Hoffmanns Weg beginnt klassisch akademisch: Studium des Bioingenieurwesens am KIT in Karlsruhe, anschliessend ein PhD in Biomedical Engineering an der Universität Basel mit Fokus auf Knochen- und Knorpelregeneration. Danach mehrere Jahre in der Medizinaltechnikindustrie, wo er Verantwortung in der Forschung und später in der Leitung von Entwicklungsprojekten übernahm. Seine Erfahrung im Bereich Research & Development bringt ihn schliesslich zu einem Projekt, das weit über klassische Produktentwicklung hinausgeht.
Bei Liver4Life geht es um eine grundlegende Frage der Medizin: Wie können Organe ausserhalb des menschlichen Körpers erhalten werden? Für ihn ist diese Frage nicht abstrakt, sondern sehr konkret. Sein Vater hat bereits zwei Nierentransplantationen hinter sich. Die Realität von Wartelisten, Unsicherheit und Hoffnung ist für ihn kein theoretisches Konstrukt, sondern Teil seiner eigenen Lebenswelt.
Als Waldemar Hoffmann in das Projekt einsteigt, ist die technologische Basis bereits gelegt. Gleichzeitig bewegt sich alles noch im klassischen Rahmen der Forschung. „Wir haben uns irgendwann die Frage gestellt: Entwickeln wir das noch zehn Jahre weiter, oder bringen wir es zu den Patientinnen und Patienten?“
Die Antwort darauf wird zum Wendepunkt. Aus einem Forschungsprojekt entsteht Schritt für Schritt ein Unternehmen. Apersys entwickelt eine Plattform, die es ermöglicht, Organe ausserhalb des Körpers am Leben zu halten, ihre Qualität zu prüfen und sie gezielt für eine Transplantation vorzubereiten. Die Vision dahinter ist klar: mehr verfügbare Spenderorgane, bessere Behandlungsergebnisse und neue Möglichkeiten in der Forschung. Vor allem aber geht es darum, Patientinnen und Patienten auf Wartelisten eine echte Perspektive zu geben – mit der Chance, besser vorbereitet und mit grösserer Sicherheit in eine Transplantation zu gehen.
Mit der Gründung verändert sich nicht nur die Organisation, sondern auch seine Rolle.„Ich habe mich am Anfang stark in die neuen Themen reingefuchst – von Lizenzverhandlungen über Fundraising bis hin zu regulatorischen Fragen. Das war eine echte Achterbahnfahrt.“ Was zuvor vor allem technologisch geprägt war, wird plötzlich unternehmerisch. Entscheidungen müssen getroffen werden, oft unter Unsicherheit, mit begrenzten Ressourcen und unter Zeitdruck.
Parallel dazu rückt eine Realität in den Vordergrund, die viele Innovationen dieser Art prägt: der Kapitalbedarf. Die Entwicklung der Maschinen ist aufwendig, die regulatorischen Anforderungen hoch, die Zeithorizonte lang. Produkte müssen fertig entwickelt sein, bevor sie überhaupt in klinischen Studien getestet werden können. Gleichzeitig bewegen sich solche Projekte in der höchsten Risikoklasse.
Es braucht Partner und Investoren, die verstehen, dass Fortschritt in der Medizintechnik Zeit braucht. Die bereit sind, in ein langfristiges Ziel zu investieren, und nicht in kurzfristige Ergebnisse. Gleichzeitig ist klar: Für Investoren, die genau dieses Verständnis mitbringen, eröffnet sich ein hochrelevantes Feld – mit grossem Impact und entsprechendem Potenzial.
Ein weiterer Aspekt wird oft unterschätzt, gewinnt aber gerade in dieser Phase an Bedeutung: der Aufbau des Teams. Apersys wurde von sieben Co-Foundern gegründet, das operative Team ist aktuell noch klein. „Das Skillset für Organperfusion haben die wenigsten – umso wichtiger ist die Frage: Passt die Person ins Team?“ Neue Rollen entstehen entlang der Herausforderungen, die vor dem Unternehmen liegen. Insbesondere im Bereich Software und Qualitätssicherung wird sich zeigen, wer in der Lage ist, technologische Innovation in ein reguliertes Umfeld zu überführen. Am Ende geht es Waldemar Hoffmann weniger um perfekte Profile als um Menschen, die gemeinsam etwas aufbauen möchten.
Bei aller Dynamik bleibt ein wichtiger Gegenpol: sein privates Umfeld. Drei Kinder sorgen dafür, dass der Fokus immer wieder bewusst zurück in die Gegenwart kommt. Zeit mit der Familie, Bewegung und Sport helfen ihm, Abstand zu gewinnen und die nötige Energie für die nächsten Entscheidungen zu behalten. Erfahren Sie mehr über Waldemar Hoffmann in unserem Interview des Monats.
Herr Hoffmann, wenn Sie in jüngeren Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten, was wäre aus Ihnen geworden?
«Sicher Pathologe. Mich hat schon früh fasziniert, komplexe medizinische Zusammenhänge zu verstehen und konkrete Ursachen sichtbar zu machen. Geprägt von den TV-Sendungen wollte ich bei der Aufklärung von speziellen Fällen helfen. Vor allem die Anwendung medizinischen Know-hows zur Deliktaufklärung hat mich gereizt.»
Wie beginnen Sie Ihren Tag am liebsten?
«Mit einem starken Kaffee, einer Kuschelrunde mit meinen Kindern und um Idealfall einem entspannten Spaziergang zum Bahnhof. Dieser Übergang ist mir wichtig, weil ich danach im Zug ganz klar in den Arbeitsmodus gehe und mich voll auf Apersys und unser Team fokussiere.»
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
«Erfolg bedeutet für mich, einen echten positiven Impact zu haben – auf Menschen, mein Umfeld, unsere Kunden und vor allem auf die Patienten. Es geht mir nicht nur um das Ergebnis an sich, sondern darum, ob wir mit dem, was wir tun, wirklich etwas verbessern. Genau deshalb habe ich diesen Berufsweg gewählt und die Rolle als CEO bei Apersys übernommen.»
Wofür würden Sie eine Woche gratis arbeiten?
«Als Startup-Entrepreneur ist die aktuelle Arbeit offensichtlich auch Teil dieser Antwort. Aber ich würde gerne auch bei Impact Projekten unterstützen. z.B beim Bau von Brunnen, Aufbau von Hütten, oder auch anderen sozialen Projekten.»
Was war der beste berufliche Rat, den Sie jemals bekommen haben?
«Einer der wichtigsten Ratschläge war für mich, sich der eigenen Stärken und Schwächen wirklich bewusst zu sein. Erst wenn man das klar versteht, kann man gezielt mit den eigenen Stärken arbeiten und gleichzeitig Wege finden, Schwächen zu kompensieren oder im Team auszugleichen.»
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Hoffmann für sein Mitwirken an diesem Beitrag.
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