
Fast jede und jeder kennt sie: Die «Echinacea-Tropfen», die man hervorholt, wenn sich der Hals meldet. Die «Herbamare», die in vielen Küchen ganz selbstverständlich neben Salz und Pfeffer steht. Produkte, die so alltäglich sind, dass man selten fragt, woher sie kommen. Denn was hinter der Marke A.Vogel steckt, ist eine Lebens- und Heilweise, die weit über die Schweiz hinaus trägt.
Unser Interviewpartner des Monats, Bernhard Bärtschi, verantwortet seit fast zehn Jahren als Head International Markets und Mitglied der Geschäftsleitung die internationale Entwicklung von A.Vogel. Das Unternehmen wurde 1963 von Alfred Vogel im thurgauischen Roggwil gegründet und ist heute in über 25 Ländern präsent. Ein KMU mit tiefen Schweizer Wurzeln und bemerkenswerter globaler Reichweite. Genau diese Konstellation reizt Bernhard Bärtschi: «In einem KMU kann man wirklich etwas bewegen», sagt er. «Was man in die Hände nimmt, kann man formen.» Darin zeigt sich sein unternehmerisches Selbstverständnis: stets hands-on und lernbereit.
Lernen als Voraussetzung für Gestaltung
Für Bernhard Bärtschi ist lebenslanges Lernen kein Ideal, sondern Teil seines beruflichen Selbstverständnisses. Seine berufliche Laufbahn führte ihn über verschiedene internationale Führungspositionen in der Luftfahrt-, Logistik- und Pharmabranche. Mehrere Jahre im Ausland, von den USA über Nordafrika bis nach Asien, haben ihn früh geprägt. Internationale Kompetenz, so seine Überzeugung, lässt sich nicht theoretisch aneignen. Sie entsteht im Alltag. Im Zuhören. Im Respekt. Und in der Bereitschaft, die eigene Perspektive infrage zu stellen. Dass er diese Offenheit nicht nur predigt, sondern lebt, zeigt auch seine sprachliche Vielseitigkeit: Französisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Hebräisch, Arabisch, Mandarin und Russisch. Dies ermöglicht ihm einen Zugang zu unterschiedlichsten Menschen, Denkweisen und nicht zuletzt auch Märkten.
Schon früh habe er gelernt, zwischen unterschiedlichen Erwartungshaltungen zu vermitteln: auf der einen Seite strategische Vorgaben des Headquarters, auf der anderen das Vertrauen der Menschen vor Ort. «Global denken – lokal handeln ist eine Gratwanderung», sagt Bernhard Bärtschi. Diese Erfahrung prägt auch seine Arbeit bei A.Vogel. Die Produkte folgen klaren Prinzipien: Frischpflanzen-Verarbeitung, Ganzheitlichkeit, Schonung natürlicher Ressourcen, Anleitung zur Selbsthilfe. Diese Werte gelten überall. Doch Märkte, Mentalitäten und Bedürfnisse unterscheiden sich. Internationale Markenführung bedeutet hier nicht Vereinheitlichung, sondern Übersetzungsarbeit: kulturell, sprachlich, menschlich. Dass die Marke A.Vogel auch international stimmig auftritt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis dieses Balanceakts, den Bernhard Bärtschi beschreibt.
«Internationale Kompetenz lässt sich nicht theoretisch lernen – man muss sie erleben.»
Weiterdenken über die operative Rolle hinaus
Als Präsident von Swiss Marketing Winterthur und Thurgau bringt er Impulse aus der Marketing-Community direkt in die Unternehmenspraxis ein. Künstliche Intelligenz, datenbasierte Simulationen und automatisierte Marketing-Mixes verändern die Spielregeln. Unter anderem lassen sich Kampagnen schneller testen, präziser aussteuern, besser messen. Doch Technologie allein genügt nicht. «Jede Veränderung schafft Unsicherheit», sagt Bernhard Bärtschi. Entscheidend sei das Mindset der Menschen, die mit diesen Instrumenten arbeiten sowie der Mut, neue Werkzeuge nicht nur einzusetzen, sondern wirklich zu verstehen.
Dass er diesen Anspruch auch an sich selbst stellt, zeigt seine Weiterbildungsbiografie. Mehrere Zertifikate, ein MAS, ein MBA. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Klarheit. «Man muss Schwerpunkte setzen», sagt Bernhard Bärtschi. «Und sich vorbereiten. Auch auf die Zeit nach dem klassischen Karrierehöhepunkt.» Digitalisierung, KI, Governance: Das sind Themen, die ihn derzeit interessieren. Zunehmend beschäftigt ihn auch die Frage, wie Unternehmen auf strategischer Ebene geführt und begleitet werden. Themen wie Verwaltungsrat, strategische Steuerung und Aufsicht gewinnen für ihn zunehmend an Bedeutung.
Was lässt sich aus all dem mitnehmen? Vielleicht dies: Lernen heisst nicht, immer mehr zu wissen. Sondern bereit zu sein, sich zu verändern. Offen zu bleiben. Und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen, auch dann, wenn das Alte noch bequem wäre. Oder, wie Bernhard Bärtschi es sagen würde: Nicht lernen zu müssen. Sondern lernen zu wollen.
Herr Bärtschi, wenn Sie in jüngeren Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten, was wäre aus Ihnen geworden?
«Schon früh haben mich Berufe fasziniert, in denen Verantwortung, Präzision und Weitblick zusammenkommen. Wäre ich nicht im Management gelandet, hätte ich mir sehr gut vorstellen können, Pilot, Schiffskapitän oder Fluglotse zu werden.
Diese Tätigkeiten haben eines gemeinsam: Man trägt Verantwortung für Menschen, muss in komplexen Situationen ruhig bleiben und Entscheidungen treffen, die Auswirkungen haben. Gleichzeitig bewegen sie sich in einem internationalen Umfeld – etwas, das mich schon immer gereizt hat.
Rückblickend erkenne ich, dass viele dieser Elemente auch meine heutige Rolle prägen. Führung bedeutet für mich ebenfalls, den Überblick zu behalten, Risiken richtig einzuschätzen und Teams sicher durch anspruchsvolle Situationen zu führen. Insofern hat sich dieser Wunsch vielleicht nicht im Beruf, aber im Wesen meiner Tätigkeit verwirklicht.»
Wie beginnen Sie Ihren Tag am liebsten?
«Mein idealer Start in den Tag ist bewusst ruhig. Das gemeinsame Frühstück mit meiner Familie gibt mir Erdung und Energie – ein Moment, der mir sehr wichtig ist. Danach folgt die Fahrt von Weinfelden nach Roggwil, bewusst nicht über die Autobahn, sondern über die kleineren Landstrassen.
Diese Strecke ist für mich ein Übergang zwischen Privatleben und Beruf. Sie gibt mir Zeit, Gedanken zu ordnen, Prioritäten zu setzen und mich innerlich auf den Tag einzustellen. Gerade in einer Funktion mit vielen internationalen Themen und Entscheidungen schätze ich diese Momente der Ruhe sehr. Sie helfen mir, fokussiert und klar in den Tag zu starten.»
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
«Erfolg ist für mich kein Einzelereignis und schon gar keine Einzelleistung. Erfolg entsteht dann, wenn Menschen gemeinsam etwas bewegen – wenn ein Team wächst, Verantwortung übernimmt und sich weiterentwickelt.
Mich erfüllt es besonders, wenn ich sehe, dass Mitarbeitende über sich hinauswachsen, Vertrauen entwickeln und gemeinsam Lösungen finden. Erfolge zu teilen, Fortschritte sichtbar zu machen und andere auf ihrem Weg zu unterstützen, ist für mich zentral.
Langfristig bedeutet Erfolg für mich auch Nachhaltigkeit: Entscheidungen zu treffen, die nicht nur kurzfristig wirken, sondern langfristig Bestand haben – wirtschaftlich, menschlich und gesellschaftlich.»
Wofür würden Sie eine Woche gratis arbeiten?
«Für ein junges Unternehmen mit einer überzeugenden Idee oder für ein Projekt, das echten gesellschaftlichen Nutzen stiftet. Ich glaube fest daran, dass Wissen und Erfahrung dann am wertvollsten sind, wenn man sie teilt.
Gerade in Start-ups oder sozialen Initiativen spürt man oft eine besondere Energie – den Willen, etwas zu verändern, Neues zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Haltung motiviert mich sehr. Wenn ich mit meiner Erfahrung dazu beitragen kann, Strukturen aufzubauen oder Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen, dann tue ich das gerne.»
Was war der beste berufliche Rat, den Sie jemals bekommen haben?
«„Lass los, was dich bequem macht – und bleib neugierig.“
Dieser Satz hat mich über viele Jahre begleitet. Gerade in Führungspositionen ist die Versuchung gross, sich auf Bewährtes zu verlassen. Doch echte Weiterentwicklung entsteht nur, wenn man bereit ist, alte Muster zu hinterfragen und sich auf Neues einzulassen.
Lebenslanges Lernen ist für mich keine Pflicht, sondern eine Haltung. Die Welt verändert sich rasant – technologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wer offen bleibt, zuhört und bereit ist, dazuzulernen, bleibt handlungsfähig und relevant. Genau das versuche ich auch in meiner täglichen Arbeit vorzuleben.»
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Bärtschi für sein Mitwirken an diesem Beitrag.
Batterman Consulting Basel AG
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