
Wie führt man ein traditionsreiches Familienunternehmen in eine neue Ära, ohne dabei seine Identität zu verlieren? Genau vor dieser Aufgabe steht Michel Mouther als neuer Co-Geschäftsleiter der Erich Weber AG. Dabei setzt er auf moderne Prozesse und kurze Wege – ohne aus den Augen zu verlieren, was das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt hat.
Ein neues ERP-System, digitale Prozesse, neue Tools und eine neue Website: Bei der Erich Weber AG ist derzeit einiges in Bewegung. Und trotzdem gibt es Dinge, die Michel Mouther nicht verändern will. Vertrauen, persönliche Nähe und Verbindlichkeit gehören dazu. Seit März 2026 führt er das Berner Immobilienunternehmen gemeinsam mit CFO und Co-Geschäftsführer Patrick Stöckli. Nach vielen Jahren in grösseren Organisationen reizte ihn die Chance, die Zukunft eines über Jahrzehnte gewachsenen Familienunternehmens mitzugestalten. Er spricht von einer «Transformationsphase», von einer Art grüner Wiese – und damit von der Möglichkeit, tatsächlich etwas zu bewegen.
Das klingt zunächst nach einem klassischen Modernisierungsauftrag. Doch das greift zu kurz. Wer in ein gewachsenes Unternehmen eintritt, übernimmt nicht nur Prozesse, Systeme und Kundenmandate, sondern auch eine Kultur. Im Fall der Erich Weber AG ist es das Lebenswerk eines Unternehmers, der die Firma über mehr als fünf Jahrzehnte geprägt hat. Batterman Consulting begleitete die Erich Weber AG als langjähriger Executive Search Sparringspartner auch bei dieser Nachfolgeregelung. Dabei musste es nicht nur fachlich, sondern auch menschlich passen. Michel Mouther reizte vor allem der unternehmerische Spielraum. Dass er Patrick Stöckli bereits aus einer früheren beruflichen Zusammenarbeit kannte und schätzte, kam hinzu.
Was den Immobilienexperten bei seinem Einstieg besonders beeindruckte, war die persönliche, familiäre Kultur. Er erzählt, mit welcher Detailtiefe der ehemalige Patron Erich Weber seine Liegenschaften kennt – und wie präsent ihm die Menschen dahinter geblieben sind. Mit einem abgeschlossenen Geschäft endet die Beziehung nicht. Man kennt sich, bleibt im Austausch und pflegt den Kontakt. Für Michel Mouther ist das kein nostalgisches Geschäftsverständnis. Im Gegenteil: Gerade weil die Immobilienbewirtschaftung digitaler und effizienter wird, gewinnt die persönliche Nähe an Wert.
Der neue CEO kennt sehr unterschiedliche Unternehmenswelten. Seine Laufbahn führte ihn von einem kleinen Betrieb über viele Jahre in grosse Organisationen und schliesslich zurück in ein persönlich geprägtes KMU. Er kennt komplexe Strukturen, das Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche und den Umgang mit grossen sowie internationalen Kunden. Heute sind die Wege kürzer und der eigene Gestaltungsspielraum dafür grösser.
Bei allem, was derzeit angestossen wird, ist der Geschäftsleitung eines wichtig: das richtige Tempo. Veränderung soll nicht möglichst schnell erfolgen, sondern im Alltag funktionieren. Deshalb beziehen sie die Mitarbeitenden ein. Diese kennen die Abläufe und wissen, wo neue Lösungen tatsächlich helfen. Denn ob Neues im Alltag funktioniert, zeigt sich bei den Menschen, die täglich damit arbeiten.
«Kontinuität gibt Stabilität.»
Michel Mouther, CEO und Co-Geschäftsleiter Erich Weber AG
Die Immobilienbewirtschaftung ist ein Geschäft, das Flexibilität verlangt. Ein Ereignis kann Prioritäten innerhalb weniger Stunden verändern. Hinzu kommt eine Branche, in der personelle Wechsel keine Seltenheit sind. Umso mehr Gewicht bekommt ein Satz von Michel Mouther: «Kontinuität gibt Stabilität.» Was Michel Mouther auf das Team bezieht, passt auch zur aktuellen Phase des Unternehmens: Neues anstossen, ohne Bewährtes vorschnell aufzugeben.
Sein Führungsverständnis hat auch der Profisport geprägt. Als Eishockeyspieler lernte er früh, dass eine Mannschaft nicht nur aus den Spielern auf dem Eis besteht. Trainer, Materialverantwortliche, Physiotherapeuten und viele weitere tragen ihren Teil zum Erfolg bei. Im Unternehmen sieht er das ähnlich: Bewirtschaftung, Assistenz, Reinigung und Geschäftsleitung haben unterschiedliche Aufgaben – doch es braucht alle. Seine eigene Rolle beschreibt er pragmatisch: «Für die Leute da sein», ansprechbar bleiben und ein offenes Ohr haben. «Wir hocken im gleichen Boot», sagt der CEO. Dazu gehört für ihn auch die «Kultur der offenen Türe»: Fragen direkt klären, miteinander sprechen und Anliegen aufnehmen, bevor sie gross werden.
Herr Mouther, wenn Sie in jüngeren Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten, was wäre aus Ihnen geworden?
«Eishockeyprofi – und diesen Traum konnte ich tatsächlich verwirklichen. Mit vier oder fünf Jahren stand ich bereits auf dem Eis. Parallel zum Sport absolvierte ich die Handelsschule mit Praktikum und arbeitete später stundenweise in einer kleinen Immobilienfirma. Mir war wichtig, den Anschluss an die Berufswelt nicht zu verlieren. Gerade in gewissen Phasen der Saison hatte ich dafür auch Zeit, und die Arbeit im Büro fand ich spannend.
Im Eishockey habe ich viel erlebt und bin viel herumgekommen. Vor allem habe ich gelernt, dass es ohne Mannschaft nicht geht, egal ob im Sport oder sonst im Leben.»
Wie beginnen Sie Ihren Tag am liebsten?
«Ich beginne gerne mit einfachen, wiederkehrenden Aufgaben, die ich zügig erledigen kann. Wenn der erste Block abgearbeitet ist, gibt mir das ein gutes Gefühl – fast wie ein Aufwärmen. So komme ich in den Flow und kann mich danach den grösseren Themen widmen. Aufgaben, die etwas mehr Fleisch am Knochen haben, plane ich mir bewusst ein und nehme mir dafür die nötige Zeit. Und natürlich gehört auch ein Rundgang durchs Büro dazu. Der persönliche Austausch ist mir wichtig.»
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
«Der grösste Erfolg ist für mich Gesundheit. Darüber hinaus bedeutet Erfolg, Ziele zu erreichen, die man sich gemeinsam gesetzt hat. Das können kleine Dinge sein, aber auch grosse Projekte. Entscheidend ist, dass man zusammen etwas umsetzt und sieht: Es greift, es trägt Früchte. Dass es unterwegs Justierungen braucht, gehört dazu. Bei einem Projekt wie beispielsweise unserer neuen Website ging es auch mal einen Schritt vor und wieder einen zurück. Wichtig ist, dass man gemeinsam dranbleibt und am Ende ans Ziel kommt.»
Wofür würden Sie eine Woche gratis arbeiten?
«Für die Nachwuchsarbeit im Sport. Ich bin Präsident des EHC Zuchwil Regio und eng mit dem Sport verbunden. Auch im Unihockeyverein engagiere ich mich noch. Besonders die Arbeit mit Jugendlichen, etwa in Trainingslagern, macht mir Freude. Zu sehen, mit welcher Begeisterung sie dabei sind, ist schön. Dabei geht es für mich nicht nur um den Sport. Man kann jungen Menschen auch Werte und Regeln mit auf den Weg geben, die sie auf das Leben vorbereiten.»
Was war der beste berufliche Rat, den Sie jemals bekommen haben?
«Da gibt es viele. Einer ist mir aber besonders geblieben. Ganz am Anfang meines Berufslebens sagte ein Chef zu mir: «Machs im GM.» Ich dachte zuerst: GM – General Motors? Er meinte aber: «Grad mache.» Also nicht lange aufschieben, sondern anpacken. Dieser Satz begleitet mich bis heute.»
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Mouther für sein Mitwirken an diesem Beitrag.
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