
Nicht jede Nachfolge beginnt mit der Suche nach einer Geschäftsführung. Manchmal startet sie mit der Besetzung einer Fachfunktion und entwickelt sich über Jahre weiter. Genau so verlief der Weg von Patrick Ulmann bei der Stiftung TBB Schweiz.
Als Patrick Ulmann 2020 von Batterman Consulting auf eine Position bei der Stiftung TBB Schweiz aufmerksam gemacht wurde, war er nicht aktiv auf Stellensuche. Gesucht wurde damals eine Persönlichkeit, die den digitalen Wandel der Organisation vorantreibt und das Prozessmanagement weiterentwickelt. Die Aufgabe passte nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. «Mich hat die Aufgabe fasziniert sowie die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu bewirken», so Patrick Ulmann. Seine Werte und der Auftrag der Stiftung erwiesen sich als aussergewöhnlich gute Kombination. Als er die Organisation näher kennenlernte, bestätigte sich dieser Eindruck schnell: «Tierwohl und gesellschaftliche Verantwortung waren mir schon immer wichtig. Als ich die Stiftung und ihre Arbeit kennenlernen durfte, fand ich das sehr eindrücklich. Das entsprach genau meinen Werten.»
Sein beruflicher Weg begann ursprünglich weit entfernt vom Tierschutz. Nach einer Lehre als Polymechaniker EFZ bei Georg Fischer wechselte er früh in die IT-Branche. Bereits als Jugendlicher brachte er sich vieles selbst bei und entwickelte eine Leidenschaft für Computer, Systeme und digitale Prozesse. «Ich wollte immer verstehen, wie Dinge funktionieren. Mich faszinierte, dass man mit Technologie Prozesse steuern und Probleme lösen kann.» Über viele Jahre sammelte Patrick Ulmann Erfahrung als System Engineer, Service Techniker und ICT-Berufsbildner. Mit diesem Hintergrund stiess er 2020 zur Stiftung TBB Schweiz und übernahm die Verantwortung für Digitalisierung und Prozessmanagement.
Die Stiftung zählt zu den bedeutenden Tierschutzorganisationen der Schweiz und betreibt eines der grössten Tierheime des Landes. Mit ihren vielfältigen Dienstleistungen – von Tierpensionen über Tierphysiotherapie bis hin zu Führungen und weiteren Angeboten – engagiert sie sich täglich für das Wohl von Tieren. Die erfolgreich umgesetzten Digitalisierungs- und Prozessprojekte machten sein Potenzial rasch sichtbar. Nach rund zwei Jahren übernahm Patrick Ulmann die Leitung des Bereichs NPO-Services und damit zusätzliche Verantwortung innerhalb der Organisation: «Irgendwann kam die Frage auf, ob ich mir die Geschäftsführung grundsätzlich vorstellen könnte. Für mich war klar: Wenn ich mehr Verantwortung übernehmen möchte, muss ich mich auch gezielt darauf vorbereiten.» Deshalb absolvierte er berufsbegleitend den eidgenössischen Fachausweis als Fachmann Unternehmensführung KMU. Die Weiterbildung ergänzte seine technische Erfahrung um betriebswirtschaftliches Know-how und bereitete ihn auf die nächste Führungsstufe vor.
«Mich hat die Aufgabe fasziniert und die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu bewirken.»
Patrick Ulmann
Seit April 2024 leitet er nun die Stiftung TBB Schweiz als Geschäftsführer. Besonders motiviert ihn die Möglichkeit, gemeinsam mit seinem Team etwas zu bewegen. «Mich hat von Anfang an angetrieben, etwas bewirken zu können. Wir haben ein grossartiges Team und können aktiv gestalten. Wenn wir für Tiere gute Lösungen finden oder wichtige Projekte erfolgreich umsetzen, sind das besondere Erfolgsmomente.»
Heute beschäftigt ihn vor allem die Zukunftsfähigkeit der Organisation. Die wirtschaftliche Lage beeinflusst das Spendenverhalten vieler Menschen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Tiere, die auf Unterstützung angewiesen sind. «Wir spüren die Veränderungen direkt. Die Zahl der Tierverzichte nimmt zu. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Gesellschaft und die Art, wie Menschen gemeinnützige Organisationen unterstützen möchten.» Besonders die Folgen von unüberlegten Tieranschaffungen während der Pandemie, problematische Tierimporte sowie Qualzuchten aus dem Ausland beschäftigen die Stiftung zunehmend. Auch beim freiwilligen Engagement beobachtet Patrick Ulmann einen Wandel: «Viele Menschen möchten sich heute punktuell engagieren oder direkt mithelfen, statt sich langfristig zu binden. Darauf müssen wir reagieren und neue Wege finden.»
Bei der Weiterentwicklung der Stiftung profitiert er bis heute vom engen Austausch mit seiner Vorgängerin Béatrice Kirn, die inzwischen das Präsidium des Stiftungsrats innehat. «Ihre Erfahrung aus über 30 Jahren Tätigkeit für die Stiftung ist enorm wertvoll. Gleichzeitig bringe ich andere Perspektiven und neue Impulse ein. Diese Kombination macht uns stark.»
Erfahren Sie mehr über die Person hinter dem Geschäftsführer in unserem Kurzinterview:
Herr Ulmann, wenn Sie in jüngeren Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hätten, was wäre aus Ihnen geworden?
«Dann wäre ich heute mit grosser Wahrscheinlichkeit in der IT-Cybersecurity-Branche tätig. Computer und Technologie haben mich schon als Kind fasziniert. Ich habe mir vieles selbst beigebracht und wollte immer verstehen, wie Systeme funktionieren und wie man sie schützen kann. Die Dynamik, die logischen Zusammenhänge und die Herausforderung, digitale Systeme vor Gefahren zu schützen, faszinieren mich bis heute. Die Themen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Cybersecurity begleiten mich bis heute.»
Wie beginnen Sie Ihren Tag am liebsten?
«Am liebsten mit einer guten Tasse Kaffee beim gemeinsamen Frühstück mit meiner Familie. Unsere Kinder sind drei Jahre und elf Monate alt, entsprechend ist morgens einiges los. Gerade deshalb ist dieses Ritual für mich besonders wertvoll. Mit diesem positiven Start gelingt es mir leichter, fokussiert und mit der richtigen Perspektive in den Tag zu gehen. Es erinnert mich jeden Tag daran, worauf es wirklich ankommt.»
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
«Erfolg bedeutet für mich, das eigene Glück zu finden, mit innerer Zufriedenheit durchs Leben zu gehen und dankbar für das Erreichte zu sein. Ich bin grundsätzlich ein sehr zufriedener Mensch und messe Erfolg nicht primär an Titeln oder Karriere-Schritten. Viel wichtiger ist mir, mit Leidenschaft etwas Sinnvolles zu bewirken. Im Beruf zeigt sich Erfolg für mich vor allem dann, wenn wir gemeinsam als Team etwas erreichen, das einen echten Mehrwert schafft – sei es für Menschen, Tiere oder die Gesellschaft.»
Wofür würden Sie eine Woche gratis arbeiten?
«Als Geschäftsführer der Stiftung TBB Schweiz darf ich meine Leidenschaft für das Tierwohl bereits tagtäglich zum Beruf machen. Wenn ich nochmals eine zusätzliche Woche zur Verfügung hätte, würde ich diese in ein soziales Projekt investieren, das Kindern den Zugang zu Tieren und zur Natur ermöglicht. Die Verbindung zwischen Kindern und Tieren hat aus meiner Sicht eine besondere Kraft. Tiere schaffen Vertrauen, fördern Verantwortung und können wichtige Begleiter sein. Solche Projekte ehrenamtlich zu unterstützen, wäre für mich eine echte Herzensangelegenheit.»
Was war der beste berufliche Rat, den Sie jemals bekommen haben?
«’Bleib dir selbst und deinen Werten treu, auch wenn der Gegenwind zunimmt.’ Diesen Rat habe ich von meinem Vater mit auf den Weg bekommen. Er hat mich gelehrt, auf die eigene Überzeugung zu vertrauen, offen für andere Sichtweisen zu bleiben und sich von Rückschlägen nicht verunsichern zu lassen. Gerade in meiner heutigen Funktion hilft mir dieser Gedanke oft weiter. Im Tierschutz müssen wir Entscheidungen treffen, die nicht immer allen gefallen, aber dem Wohl der Tiere dienen. In solchen Momenten sind klare Werte und ein verlässlicher innerer Kompass besonders wichtig.»
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Ulmann für sein Mitwirken an diesem Beitrag.
Batterman Consulting Basel AG®
Executives-, Experts- & Verwaltungsrat-Search
Byfangweg 1a, CH-4051 Basel
T +41 58 680 55 55