
Künstliche Intelligenz gehört zunehmend auf die Agenda von Verwaltungsräten. Entscheidend ist dabei nicht nur, ihre Bedeutung zu erkennen, sondern ihre strategischen Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Risiken und Wettbewerbsfähigkeit aktiv zu verstehen und zu steuern.
Ich stelle diese Frage nicht provokativ, sondern aus der Praxis heraus. In den letzten 24 Monaten habe ich Dutzende Gespräche mit Verwaltungsratspräsidenten, Nominationsausschüssen und CEOs geführt. Die Agenda ist stets dicht, die Herausforderungen sind bekannt: geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel, regulatorischer Druck. Und doch drängt sich ein Thema zunehmend in den Vordergrund oft unausgesprochen, manchmal unterschätzt: künstliche Intelligenz.
Die Realität ist unbequem. Viele Schweizer Verwaltungsräte sind exzellent besetzt, strategisch erfahren, finanziell versiert, international vernetzt. Aber beim Thema KI zeigt sich eine Lücke. Keine intellektuelle, sondern eine operative. KI wird als wichtig anerkannt, doch selten wirklich verstanden. Noch seltener wird sie aktiv gesteuert.
Das Problem beginnt bereits bei der Einordnung. KI wird häufig als IT-Thema an den CIO, den CDO oder externe Berater delegiert. Damit wird sie strukturell unterschätzt. Denn KI ist kein Werkzeug wie jedes andere. Sie verändert Geschäftsmodelle, Entscheidungslogiken und Wertschöpfungsketten. Wer sie auf Technologie reduziert, verpasst ihre strategische Dimension.
In Verwaltungsratssitzungen beobachte ich wiederkehrende Muster: Präsentationen über „AI-Initiativen“, wohlklingende Roadmaps, Pilotprojekte in Innovation Labs. Doch auf kritische Fragen folgt oft Schweigen. Wie verändert KI unsere Margenstruktur? Welche unserer Kernkompetenzen werden obsolet? Wollen wir mehr Umsatz oder Qualität? Wo entstehen neue Abhängigkeiten? Und vor allem: Welche Risiken tragen wir als Gremium?
Hier zeigt sich die eigentliche Überforderung und nicht im fehlenden Wissen, sondern in der fehlenden Verankerung. KI ist selten integraler Bestandteil der Governance. Es gibt keine klaren Verantwortlichkeiten auf VR-Ebene, keine systematische Kompetenzentwicklung, keine strukturierten Entscheidungsprozesse. Stattdessen dominiert ein implizites Vertrauen darauf, dass „das Management, das schon im Griff hat“.
Nicht jeder Verwaltungsrat muss ein KI-Experte sein. Aber jedes Gremium braucht mindestens ein Mitglied mit fundierter, praktischer KI-Erfahrung, nicht theoretisch, sondern operativ. Diese Profile sind aktuell rar. Und genau hier beginnt unsere Rolle als Headhunter: Märkte systematisch nach solchen Kandidaten zu durchdringen und sie für Verwaltungsratsmandate zu gewinnen.
KI wird nicht warten, bis Governance-Strukturen nachgezogen haben. Die Frage ist daher nicht, ob Verwaltungsräte mit KI überfordert sind. Sondern ob sie bereit sind, es nicht zu bleiben.
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